Mythographie und Euhemerismus. Zur Produktionsästhetik in Giovanni Boccaccios De claris mulieribus.

PD Dr. Irene Erfen, Germanistik
Boccaccios lateinisches Handbuch antiker Frauenviten wird in der europäischen Literatur bis in die Neuzeit vielfältig übersetzt, ausgeschrieben und illustriert. Die Rezeptionen isolieren einzelne Aspekte und Diskurse des Werks, konzentrieren sich häufig auf den ‚Frauenfeind‘ Boccaccio, wie er in Baldessare Castigliones ‚Libro del cortigiano‘, einem höfischen Vademecum des 16. Jahrhunderts, genannt wird oder entnehmen mit divergierender Zielsetzung und Funktion Material. Dieser z. T. konträre Gebrauchswandel, eine im Übrigen für das gesamte Spätmittelalter sowie die Frühe Neuzeit zu beobachtende Erscheinung, ist angelegt in der Struktur der ‚Berühmten Frauen‘ als mythographischem Lexikon und anthropologischer Darstellung des weiblichen Geschlechtscharakters. Der Vortrag beschäftigt sich mit einigen der produktionsästhetischen Mittel, die Boccaccios misogyne Regie einsetzt, um die Akzeptanz seines moraldidaktischen Konzeptes zu befördern oder - in der aristotelisch-horazisch geprägten poetologischen Terminologie – um die Wahrscheinlichkeit seiner Darstellung und ihrer normativen Forderungen zu erweisen.

Der Vortrag findet digital statt. Teilnehmen können Sie über den Moodle-Kurs zur RingvorlesungDer Einschreibeschlüssel lautet "25IZfG". Falls Sie über keinen Moodle-Account verfügen, können Sie mit dem Einschreibeschlüssel "IZfG-digital2021" auch als Gast teilnehmen.
Zum kompletten Programm der Ringvorlesung