Lehrbeauftragte des IZfG

M.A. Rebecca Kalisch

Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung

Rubenowstraße 3

17487 Greifswald

rebecca.kalischuni-greifswaldde

M.A. Ulrike Wolter

Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung

Rubenowstraße 3

17487 Greifswald

ulrike.wolter1stud.uni-greifswaldde

Vita
  • Bachelor-of-Arts-Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Greifswald
    Thema der Bachelorarbeit:
    "Die 'Frauenfrage' im Zeitalter der Industrialisierung" (im Fach Geschichte)
  • Master-of-Arts-Studium Kultur-Interkulturalität-Literatur (Schwerpunkt Germanistik) an der Universität Greifswald
    Thema der Masterarbeit:
    "'Es strebt das Weib nach Freiheit, der Mann nach Sitte'. Weibliche Identitätssuche in Hedwig Dohms Christa Ruland"
Arbeits- und Forschungsfelder
  • Geschlechtergeschichte (19. und frühes 20. Jahrhundert)
     
  • Antifeminismus
     
  • Intersektionalität
Aktuelle Lehrveranstaltungen

Gender@Greifswald. Begleitseminar zur Ringvorlesung des IZfG

Dieses interdisziplinär ausgerichtete Seminar begleitet die aktuelle Ringvorlesung des IZfG, die anlässlich des 25-jährigen Bestehens des IZfG Forschungsprojekte und Positionen aus dem Bereich der Geschlechterforschung an der Universität Greifswald in den Fokus rückt.

Neben der vertiefenden Diskussion der Vorträge dieser Ringvorlesung besteht die Möglichkeit, Grundlagentexte aus den beteiligten und/oder aus den von Ihnen studierten Disziplinen im Seminar gemeinsam zu diskutieren. Der offene Charakter des Seminars ermöglicht Ihnen, für Sie besonders relevante Aspekte der Geschlechterforschung (erneut) zu diskutieren und insbesondere auch grundlegende Fragestellungen, Methoden und Begrifflichkeiten der Geschlechterforschung aus dem Wintersemester (Modul Gender Studies I) zu vertiefen.

Die ersten beiden Sitzungen dienen auch dazu, den Seminarplan gemeinsam zu vervollständigen. Nutzen Sie gerne die Möglichkeit, sich mit mir vor Beginn des Seminars per E-Mail über erste Ideen für die offenen Sitzungen auszutauschen.

Zeit: montags, 10 - 12 Uhr
Zur Belegung

Vergangene Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2020/2021:
Proseminar: Sex, Liebe und Macht. Eine Einführung in die Geschlechtergeschichte

Das Reden über Sexualität ist um 1900 weit verbreitet. Besonders zentral und kontrovers ist dabei die Diskussion über weibliche Sexualität. Unter Rückgriff auf neueste naturwissenschaftliche Forschungen versucht Paul Julius Möbius in seiner Schrift Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes nachzuweisen, dass der „Schwachsinn des Weibes” nicht nur vorhanden, sondern auch notwendig sei, um den von der Natur bestimmten „Mutterberuf” des Weibes nicht zu gefährden. In dem ebenfalls viel beachteten antifeministischen Werk Geschlecht und Charakter, welches durchaus mit einer Kritik an dichotomen Konstruktionen von Geschlecht einsetzt und diverse sexuelle Zwischenformen benennt, lotet Otto Weininger Weiblichkeit schließlich vor allem anhand der Pole Mutterschaft und Prostitution aus.

Scharfe Repliken von Feministinnen wie Hedwig Dohm, Rosa Mayreder, Johanna Elberskirchen oder Maxie Freimann folgten auf diese und andere Schriften. Unter den Schlagwörtern ›Sittlichkeitsfrage‹ und ›Neue Ethik‹, die eng mit dem Namen Helene Stöcker verbunden sind, diskutierten Feminist*innen über Prostitution, die doppelte Sexualmoral, Verhütung, die Loslösung der weiblichen Sexualität von ihrer Fixierung auf Ehe und Fortpflanzung – und über neue Möglichkeiten einer gleichberechtigten Partnerschaft im Sinne der ›freien Liebe‹. In Berlin, einem der Zentren der Sexualwissenschaften des beginnenden des 20. Jahrhunderts, wird Homosexualität von Ärzten wie Magnus Hirschfeld erforscht und von pathologisierenden und stigmatisierenden Vorstellungen loszulösen versucht. Sein Buch Berlins Drittes Geschlecht und lesbische Zeitschriften wie Die Freundin werden uns Einblicke in das homosexuelle Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewähren.

Es geht also um ›sex‹, ›gender‹ und ›desire‹ - auch jenseits traditioneller Vorstellungen, Normierungen und Lebensweisen. Und es geht um Sexismus und Antifeminismus. Mit Michel Foucault wollen wir der „diskursiven Explosion” um den Sex herum im Feld von Philosophie, Literatur, Medizin, Psychologie, Sexualwissenschaft und Feminismus nachgehen und das neu produzierte Wissen über Sexualität in ein Verhältnis setzen zu Fragen der Macht und der identitätsstiftenden Funktion von Diskursen. Ist das Reden über den Sex schon ein Akt der Befreiung

Sommersemester 2020:
Seminar: (Anti-)Feminismus. Historische und aktuelle Diskurse

Antifeminismus gibt es, seit es Feminismus gibt. Hedwig Dohm, die in ihren Schriften gegen die Vorstellung eines naturgegebenen Unterschiedes der Geschlechter anschreibt, legt bereits 1902 mit ihrem Essayband Die Antifeministen eine umfassende Analyse des antifeministischen Diskurses ihrer Zeit vor und stellt zentrale Bezugspunkte antifeministischer Argumentationen klar vor Augen: Natur(-wissenschaft), Tradition und Religion. Dass und inwiefern Antifeminismus und Antisemitismus miteinander verschränkt sind, ist auch Teil ihrer Analyse.

Anfeindungen gegen ›Gender‹ und Gender Studies, Gleichstellung und Feminismus haben in den letzten Jahren stark zugenommen, wobei nun wissenschaftliche Konzepte in den Fokus der Auseinandersetzungen gerückt sind. Antifeministische und genderfeindliche Argumentationen fungieren dabei als Scharnier und verbinden konservative, (rechts-)populistische und (extrem) rechte Positionen miteinander. Der Raum des Sagbaren erweitert sich, rechte Denkweisen werden in der Gesellschaft salonfähig. Auch aktuell verschränken sich antifeministische, sexistische, rassistische, antisemitische und antimuslimischen Argumentationen – oft unter Berufung auf vermeintlich traditionelle, konservative oder christliche Werte und eine binäre Geschlechterordnung.

Das Seminar will grundlegende binäre Kategorisierungen (Natur/Kultur, Weiblichkeit/Männlichkeit, Eigene/Fremde) in ihren jeweiligen historischen, politischen und diskursiven Zusammenhängen problematisieren und mit einer intersektional orientierten Analyse der rhetorischen Strategien verbinden. Neben Hedwig Dohm stehen u.a. Rosa Mayreder, Otto Weininger und Heinrich von Treitschke auf dem Plan. Am Beispiel der sehr kontrovers geführten Debatte um #MeToo und dem feministischen Bündnis #ausnahmslos wollen wir aktuelle feministische Diskurse in ihrer Komplexität und Ambivalenz in den Blick nehmen. Sowohl in der historischen als auch in der aktuellen Perspektivierung sollen Vorstellungen von Männlichkeit (›alte weiße Männer‹, ›toxische Männlichkeit‹) einbezogen werden.

Vita
  • Bachelor-of-Arts-Studium der Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Greifswald
    Thema der Bachelorarbeit:
    "E.T.A. Hoffmann: Phantasma und Wirklichkeit. Das Unheimliche als Erzählprinzip"
     
  • Master-of-Arts-Studium Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Greifswald
    Thema der Masterarbeit:
    "Intertextuelle und theaterästhetische Schreibstrategien in Elfriede Jelineks Prinzessinnendramen"
     
  • Wissenschaftliche Hilfskraft am IZfG (2018-2021)
Arbeits- und Forschungsfelder
  • Geschlechterkonzepte in der Gegenwartsliteratur
     
  • Geschlechterpraktiken im Kulturbetrieb
     
  • Literaturen des 19. und 20. Jahrhunderts
Aktuelle Lehrveranstaltungen

Seminar: Androgynität aus kultureller Perspektive

Spätestens seit der griechisch-römischen Antike ist die Vorstellung von Androgynität Teil unserer Kultur. Platons Kugelmenschen oder der Mythos um Hermaphroditos aus Ovids Metamorphosen sind nur zwei Beispiele für die Trennung bzw. Vereinigung der Geschlechter. Doch ist sie nicht nur Teil von Schöpfungsmythen, sondern hat als Motiv, das der Sehnsucht nach der Wiedererlangung einer verlorenen Einheit, nach Vollkommenheit, Ausdruck verleiht, seinen festen Platz in der bildenden Kunst, der Literatur und Psychologie. Das Seminar möchte in diesen Bereichen einen Schwerpunkt im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert setzen und nicht zuletzt nach seiner Funktion für Konzeptionen von Schöpferkraft und Künstlertum fragen. In jüngerer Vergangenheit gewann Androgynität Bedeutung in der Auseinandersetzung mit herrschenden gesellschaftlichen Zuständen und dem Entwurf neuer Utopien. Im Fokus steht dabei natürlich die Neudefinierung der Geschlechterverhältnisse, die bspw. in unserer Gegenwart in der Mode wieder unter dem Schlagwort der Androgynität ausgehandelt wird. Somit nimmt sich das Seminar verschiedenste Artefakte unseres kulturellen Systems zum Gegenstand.

Zeit: montags, 14 - 16 Uhr
Zur Belegung