Lehrbeauftragte des IZfG

M.A. Rebecca Kalisch

Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung

Rubenowstraße 3

17487 Greifswald

rebecca.kalischuni-greifswaldde

M.A. Dustin Matthes

Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung

Rubenowstraße 3

17487 Greifswald

dustin.matthesstud.uni-greifswaldde

Vita
  • Bachelor-of-Arts-Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Greifswald
    Thema der Bachelorarbeit:
    "Die 'Frauenfrage' im Zeitalter der Industrialisierung" (im Fach Geschichte)
  • Master-of-Arts-Studium Kultur-Interkulturalität-Literatur (Schwerpunkt Germanistik) an der Universität Greifswald
    Thema der Masterarbeit:
    "'Es strebt das Weib nach Freiheit, der Mann nach Sitte'. Weibliche Identitätssuche in Hedwig Dohms Christa Ruland"
Arbeits- und Forschungsfelder
  • Geschlechtergeschichte (19. und frühes 20. Jahrhundert)
  • Antifeminismus
  • Intersektionalität
Aktuelle Lehrveranstaltungen

Proseminar: Sex, Liebe und Macht. Eine Einführung in die Geschlechtergeschichte

Das Reden über Sexualität ist um 1900 weit verbreitet. Besonders zentral und kontrovers ist dabei die Diskussion über weibliche Sexualität. Unter Rückgriff auf neueste naturwissenschaftliche Forschungen versucht Paul Julius Möbius in seiner Schrift Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes nachzuweisen, dass der „Schwachsinn des Weibes” nicht nur vorhanden, sondern auch notwendig sei, um den von der Natur bestimmten „Mutterberuf” des Weibes nicht zu gefährden. In dem ebenfalls viel beachteten antifeministischen Werk Geschlecht und Charakter, welches durchaus mit einer Kritik an dichotomen Konstruktionen von Geschlecht einsetzt und diverse sexuelle Zwischenformen benennt, lotet Otto Weininger Weiblichkeit schließlich vor allem anhand der Pole Mutterschaft und Prostitution aus.

Scharfe Repliken von Feministinnen wie Hedwig Dohm, Rosa Mayreder, Johanna Elberskirchen oder Maxie Freimann folgten auf diese und andere Schriften. Unter den Schlagwörtern ›Sittlichkeitsfrage‹ und ›Neue Ethik‹, die eng mit dem Namen Helene Stöcker verbunden sind, diskutierten Feminist*innen über Prostitution, die doppelte Sexualmoral, Verhütung, die Loslösung der weiblichen Sexualität von ihrer Fixierung auf Ehe und Fortpflanzung – und über neue Möglichkeiten einer gleichberechtigten Partnerschaft im Sinne der ›freien Liebe‹. In Berlin, einem der Zentren der Sexualwissenschaften des beginnenden des 20. Jahrhunderts, wird Homosexualität von Ärzten wie Magnus Hirschfeld erforscht und von pathologisierenden und stigmatisierenden Vorstellungen loszulösen versucht. Sein Buch Berlins Drittes Geschlecht und lesbische Zeitschriften wie Die Freundin werden uns Einblicke in das homosexuelle Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewähren.

Es geht also um ›sex‹, ›gender‹ und ›desire‹ - auch jenseits traditioneller Vorstellungen, Normierungen und Lebensweisen. Und es geht um Sexismus und Antifeminismus. Mit Michel Foucault wollen wir der „diskursiven Explosion” um den Sex herum im Feld von Philosophie, Literatur, Medizin, Psychologie, Sexualwissenschaft und Feminismus nachgehen und das neu produzierte Wissen über Sexualität in ein Verhältnis setzen zu Fragen der Macht und der identitätsstiftenden Funktion von Diskursen. Ist das Reden über den Sex schon ein Akt der Befreiung?

Zeit: montags, 10 - 12 Uhr
Zur Belegung

Vergangene Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2020:
Seminar: (Anti-)Feminismus. Historische und aktuelle Diskurse

Antifeminismus gibt es, seit es Feminismus gibt. Hedwig Dohm, die in ihren Schriften gegen die Vorstellung eines naturgegebenen Unterschiedes der Geschlechter anschreibt, legt bereits 1902 mit ihrem Essayband Die Antifeministen eine umfassende Analyse des antifeministischen Diskurses ihrer Zeit vor und stellt zentrale Bezugspunkte antifeministischer Argumentationen klar vor Augen: Natur(-wissenschaft), Tradition und Religion. Dass und inwiefern Antifeminismus und Antisemitismus miteinander verschränkt sind, ist auch Teil ihrer Analyse.

Anfeindungen gegen ›Gender‹ und Gender Studies, Gleichstellung und Feminismus haben in den letzten Jahren stark zugenommen, wobei nun wissenschaftliche Konzepte in den Fokus der Auseinandersetzungen gerückt sind. Antifeministische und genderfeindliche Argumentationen fungieren dabei als Scharnier und verbinden konservative, (rechts-)populistische und (extrem) rechte Positionen miteinander. Der Raum des Sagbaren erweitert sich, rechte Denkweisen werden in der Gesellschaft salonfähig. Auch aktuell verschränken sich antifeministische, sexistische, rassistische, antisemitische und antimuslimischen Argumentationen – oft unter Berufung auf vermeintlich traditionelle, konservative oder christliche Werte und eine binäre Geschlechterordnung.

Das Seminar will grundlegende binäre Kategorisierungen (Natur/Kultur, Weiblichkeit/Männlichkeit, Eigene/Fremde) in ihren jeweiligen historischen, politischen und diskursiven Zusammenhängen problematisieren und mit einer intersektional orientierten Analyse der rhetorischen Strategien verbinden. Neben Hedwig Dohm stehen u.a. Rosa Mayreder, Otto Weininger und Heinrich von Treitschke auf dem Plan. Am Beispiel der sehr kontrovers geführten Debatte um #MeToo und dem feministischen Bündnis #ausnahmslos wollen wir aktuelle feministische Diskurse in ihrer Komplexität und Ambivalenz in den Blick nehmen. Sowohl in der historischen als auch in der aktuellen Perspektivierung sollen Vorstellungen von Männlichkeit (›alte weiße Männer‹, ›toxische Männlichkeit‹) einbezogen werden.

Vita
  • 2011 - 2016: Bachelor-of-Arts-Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Greifswald
    Thema der Bachelorarbeit: „'Irgendetwas sehr Merkwürdiges geschieht gerade' – Positionierungen zur postkolonialen Thematik in Christian Krachts Werken '1979', 'Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten' und 'Imperium'“
  • 2016 - 2018: Master-of-Arts-Studium Kultur-Interkulturalität-Literatur (Schwerpunkt Germanistik) an der Universität Greifswald
    Thema der Masterarbeit: „Postkolonialismus, Neokolonialismus, Globalisierung. (Dis-)kontinuitäten kolonialer Erzählverfahren in der Gegenwartsliteratur“
  • 2017/2018: studentische Hilfskraft am IZfG
  • 2018/2019: wissenschaftliche Hilfskraft am IZfG
  • seit Sommersemester 2019: Lehrbeauftragter am IZfG
Arbeits- und Forschungsfelder
  • (Post-)Kolonialismus in der Literatur
  • Geschlecht nach der Digitalisierung
Aktuelle Lehrveranstaltungen

Proseminar: Was ist Geschlecht? Einführung in Theoriegeschichte und aktuelle Analysekontexte der Gender Studies

Im Zentrum der Gender Studies steht die wissenschafts- und herrschaftskritische Auseinandersetzung mit der soziokulturellen Verfasstheit und Bedeutung der Kategorie Geschlecht. Die Gender Studies betonen dabei die Prozesshaftigkeit und Unabgeschlossenheit von Geschlechterdifferenzierungen, das so genannte Doing Gender. In dem Seminar werden klassische und neuere Gendertheorien gemeinsam erarbeitet und auf aktuelle Phänomene und Problematiken, die mit der Verhandlung von Geschlecht in Verbindung stehen, bezogen. Zudem soll die Einbindung der Kategorie Geschlecht in intersektionale Kontexte betrachtet werden, etwa an ihren Überschneidungspunkten mit den Kategorien Rasse und Klasse. Ziel des Seminars ist es, einerseits zu verstehen, wie Gender in hegemoniale Verhältnisse eingebunden und an ihrer andauernden Re_Produktion beteiligt ist. Andererseits soll aufgezeigt werden, welche ‚Spielräume‘ die Kategorie Geschlecht bietet, wodurch sich deren performativer Charakter offenbart.

Zeit: freitags, 10 - 12 Uhr
Zur Belegung

Vergangene Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2020:
Seminar: Geschlecht nach der Digitalisierung. Theorie und Analyse von Gender in digitalen Medien

Aktuell befinden wir uns in einer Zeit, die sich als post-digital beschreiben lässt. Damit ist nicht gemeint, dass das digitale oder Computerzeitalter hinter uns liegt, sondern dass nach der Digitalisierung der Umgang mit digitalen elektronischen Geräten und Medien (in weiten Teilen der Welt) zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. Dementsprechend sind inzwischen in der Forschung Fragen danach von Interesse, wie Akteur_innen mit dieser digitalen Umwelt umgehen.

Ausgehend von dieser Prämisse und von Gedanken zur Performativität von Geschlecht und Sexualität, wie sie etwa Judith Butler formuliert hat, zur digitalen Performativität, wie sie sich z. B. bei Martina Leeker finden, aber auch zum Verhältnis von Gender und Medien wie von Angela McRobbie, soll im Seminar der Frage nachgegangen werden, wie Geschlecht und Sexualität digital konstruiert und ausgehandelt werden. Dabei soll es sowohl um eine Betrachtung der medialen Voraussetzungen gehen als auch um Strategien, mit denen Akteur_innen digitalen Medien begegnen.

Dazu wird zunächst ein Blick auf medienwissenschafltiche und Gender Studies-Theorien zum Thema geworfen, um in der zweiten Hälfte des Seminars gemeinsam einige konkrete Beispiele (Twitter-Posts, Youtube-Videos, Computerspiele etc.) zu analysieren. Hierbei sind die Studierenden eingeladen, selbst Untersuchungsgegenstände einzubringen, die sie aus eigener Erfahrung oder Recherche kennen.