Mela Hartwig. Gender, Macht und Medizin
Workshop vom 11.06.-12.06.
11.-12. Juni 2026, Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung, Universität Greifswald
Organisation: Andrea Erwig, Elisabeth Flucher, Heide Volkening (Universität Greifswald), Marcella Fassio (MLU Halle-Wittenberg)
Die Texte der österreichischen Autorin Mela Hartwig (1893-1967) verhandeln weibliche Sexualität, Psyche, Geschlechter beziehungen und das Erwerbsleben der „Neuen Frau“. Hartwigs literarische Darstellungen zeigen, wie der weibliche Körper zum Schauplatz von Herrschaftsmechanismen und pathologisie renden Zuschreibungen wird, wobei sie intersektionale Verflech tungen von Geschlecht und Klasse thematisieren. Ästhetisch verbindet Hartwig Schreibweisen des Expressionismus, Surrealismus und der Neuen Sachlichkeit mit phantastischen und psychoanalytischen Elementen. Trotz ihres zeitgenössischen Erfolgs geriet die Autorin jedoch weitgehend in Vergessenheit. So wurden ihre Veröffentlichungsversuche ab den 1930er Jahren abgelehnt und ihre Texte schließlich von der Reichsschrift tumskammer verboten. Nationalsozialistische Verfolgung und Emigration beendeten ihre Karriere.
Der Workshop lädt zur Wiederentdeckung dieser zu Unrecht vergessenen Autorin ein und bietet Raum für Diskussionen zu Hartwigs Werk und dessen Verortung in der Moderne. Durch gemeinsame Lektüre und Diskussion von Hartwigs Novelle Der phantastische Paragraph sowie Vorträge zu den Themen Gender, Macht und Medizin eröffnet der Workshop einen multiperspektivischen Zugang zur literarischen Darstellung weiblicher Erfahrungen im frühen 20. Jahrhundert.
Programm
11.6. Diskussion und Lektüre: Der Phantastische Paragraph
15.00 Uhr: Begrüßung und allgemeine Vorstellungsrunde
Der phantastische Paragraph I: Körper / Medizin / Geschlecht – Impulse von Naima Tiné, Marcella Fassio, Andrea Erwig
Moderation: Heide Volkening
16.40-18.00 Uhr: Der phantastische Paragraph II: Diskurse / Schreibweisen / Macht – Impulse von Elisabeth Flucher, Anna Tschanz, Heide Volkening
Moderation: Andrea Erwig
12.6. Vorträge zum Werk Mela Hartwigs
9.00 Uhr: Sandra Beck (Universität Mannheim): Von der infamen Lust, Ich zu sagen. Zu Mela Hartwigs „Bin ich ein überflüssiger Mensch?“
9.45 Uhr: Marijke Box (Hamburg): Antisemitismus und Exilerfahrung in Mela Hartwigs „Das Wunder von Ulm“
Moderation: Marcella Fassio
10.45 Uhr: Ulrike Stamm (HU Berlin): Zu einer Poetik weiblicher Defizienz im Werk Mela Hartwigs
11.30 Uhr: Abschlussdiskussion
Moderation: Elisabeth Flucher
Ort: Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung, Universität Greifswald. Rubenowstr. 3
Kontakt: Heide.Volkening@uni-greifswald.de
Zeichnung Mela Hartwigs: Alfred Wickenburg (1933)
