Lehrveranstaltungen des IZfG

Studierende der Bachelor of Arts 2-Fach-Studiengänge können die Lehrveranstaltungen des IZfG als Basisfach "Gender Studies" (Optionale Studien ab WS 2019/20) belegen.


Das Basismodul "Gender Studies I" wird nur im Wintersemester angeboten; verpflichtend muss die Einführungsveranstaltung belegt werden, das zweite Seminar ist frei wählbar.

Das Aufbaumodul "Gender Studies II" findet im Sommersemester statt, dazu wird die Ringvorlesung mit Tutorium und ein weiteres Seminar belegt. 

Abweichende Belegungen sind in der Regel möglich, aber im Vorfeld mit den jeweiligen Dozierenden abzusprechen.


Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2026/2027

Für das Basismodul "Gender Studies I" sind folgende Veranstaltungen zur Belegung geöffnet:

Verpflichtend muss die Einführungsveranstaltung (Einführung in die Gender Studies) belegt werden, das zweite Seminar ist frei wählbar.

Über den Kursbaum Vorlesungsverzeichnis > Philosophische Fakultät > Optionale Studien (ab WS 2019/20) > Basisfach > Gender Studies > Gender Studies I gehts direkt zur Einschreibung.

Alternativ finden Sie die Seminare im HIS über Suche nach Lehrveranstaltungen > Titel der Veranstaltung.

Seminar: Johanna Schopenhauer

Flucher, Elisabeth, Prof. Dr.

WiSe 2026/2027

Mo. 10-12 Uhr | Rubenowstraße 3 - Seminarraum 1.22

Johanna Schopenhauer (1766-1838) gehört zu den weniger bekannten Autorinnen des frühen 19. Jahrhunderts. Meist nur noch als Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer bekannt und heute wenig gelesen und beforscht, war Johanna Schopenhauer jedoch in ihrer zweiten Lebenshälfte eine überaus gepriesene, viel gelesene und auch ökonomisch erfolgreiche Autorin. Als Witwe zieht sie mit ihren beiden Kindern (Arthur und Adele – Adele Schopenhauer wird selbst bekannte Autorin) nach Weimar, um mit über 40 im Umkreis Goethes ihre Karriere als Schriftstellerin zu starten. Sie schreibt Künstler-Biografien, Liebesromane und Reiseberichte. Goethe rezensiert ihren ersten Roman "Gabriele" überschwänglich. Zu Lebzeiten erhält sie eine umfangreiche Gesamtausgabe ihrer Schriften. In den 1830ern ändert sich jedoch der literarische Diskurs und auch der Publikumsgeschmack grundlegend. 

Wir werden uns im Seminar das Werk der Schriftstellerin erschließen und es in den verschiedenen Epochen und Strömungen der Zeit (Goethe-Zeit, Romantik, Biedermeier, Vormärz) verorten. Wir fragen auch nach Publikationsbedingungen von Schriftstellerinnen um 1800, nach literaturkritischen Bewertungen populären und ökonomischen Schreibens und neueren gendertheoretischen Zugriffen auf weibliches Schreiben, Fragen der Kanonisierung und Literaturkritik.

Thematisch werden in ihren Texten (besonders in den Romanen und Novellen) Geschlechterverhältnisse kritisch befragt und weibliche Räume von Autonomie und Handlungsmacht verhandelt. 

Das Seminar ist für Studierende der Gender Studies geöffnet.

Seminar: Seufzer und Tränen. Liebe und Liebeskrankheit in der Frühen Neuzeit

Flucher, Elisabeth, Prof. Dr.

WiSe 2026/2027

Mo. 14-16 Uhr |  Rubenowstraße 3 - Seminarraum 1.22

In der Frühen Neuzeit, also vor 1800, gibt es nicht nur ein sehr von der Moderne verschiedenes Verständnis von Krankheit, auch das Verständnis von Liebe und Freundschaft unterscheidet sich. Die historische Distanz erlaubt Fragen nach gesellschaftlichen und kulturellen Normen: Was ist normal? Was pathologisch? Wie werden diese Einordnungen historisch konstruiert? Was ist noch Passion, was bereits Obsession? Wie werden im 17. und 18. Jahrhundert Leidenschaften und Affekte verhandelt und bewertet? Tatsächlich gibt es in der Frühen Neuzeit eine echte Liebeskrankheit: die Liebes-Melancholie. Zugleich ist große Zärtlichkeit und Affektbekundung und das Fließen von Tränen in der freundschaftlichen Kommunikation der Empfindsamkeit normal. Johann August Unzer hat dem Seufzen eine medizinische Abhandlung gewidmet, in der er versucht, den körperlichen Mechanismen dieses Affekt-Ausdrucks auf die Schliche zu kommen. Aus heutiger gendertheoretischer Sicht stellt sich auch die Frage nach dem Umgang mit Queerness und Homosexualität. 

Vom Barock bis zu Klassik und Romantik lesen wir im Seminar kanonische Werke der deutschen Literatur der Gattungen Drama, Lyrik und Roman (die genaue Auswahl wird final gemeinsam mit den Studierenden getroffen):

  • Andreas Gryphius: Cardenio und Celinde
  • Friedrich Gottlieb Klopstock: Gedichte (Auswahl wird noch bekannt gegeben)
  • Freundschaftsbriefe aus dem Gleim-Kreis (Freundschaftskult)
  • Johann Wolfgang Goethe: Die Leiden des jungen Werther
  • Jakob Michael Reinhold Lenz: Der Engländer
  • Friedrich Schiller: Übersetzung von Racines Phädra
  • Johanna Schopenhauer: Gabriele

Zudem beschäftigen wir uns mit der Medizingeschichte der Liebesmelancholie und der Vorgeschichte modernen Wahnsinns.

Das Seminar ist für Studierende der Gender Studies geöffnet.

 

Seminar: Un/Sichtbarkeiten: Grenzregime, Migration und Medien

Willcox, Hannah

WiSe 2026/2027

Di. 14-16 Uhr | Rubenowstraße 3 - Seminarraum 2.10

Was macht eine Grenze sichtbar und wen macht sie unsichtbar? Welche medialen Techniken der Identifikation, Überwachung und Selektion konfigurieren das europäische Migrations- und Grenzregime? Inwiefern reproduzieren oder reflektieren literarische, filmische und künstlerische Praktiken geographische und juristische Grenzziehungen und gewaltvolle Inklusions- und Exklusionsmechanismen? Und wie verändern mediale Verfahren die ästhetische Gestaltung von Texten und Bildern, wenn sie selbst an der Hervorbringung und Gestaltung von Grenzregimen beteiligt sind?

Das Seminar widmet sich dem europäischen Grenzregime als diskursivem und medialem Dispositiv und nimmt Entwicklungen seit den 2000ern in den Blick. Ausgehend von Erkenntnissen der interdisziplinären Border Studies verbindet es literatur-, kultur- und medienwissenschaftliche Zugänge und diskutiert Grenzen als mehrdeutige, fluide und heterogene Anordnungen, die eine „world-configuring function“ performen (Balibar, 2002). Im Fokus stehen Texte, die mediale Verfahren der Un/Sichtbarmachung aus intersektionaler Perspektive reflektieren, Migration, Transit und Grenzpassage darstellen und dabei territoriale Epistemologien in Frage stellen, u.a. von Hito Steyerl, Anna Seghers, Christian Petzold, Angelina Maccarone, Anna Yeliz Schentke und Amel Alzakout.

Das Seminar ist für Studierende der Gender Studies geöffnet.

Seminar: (Un)Wichtige Frauen in der tschechoslowakischen und tschechischen Geschichte

Ters Cechova, Ivana

WiSe 2026/2027

Di. 12-14 Uhr | Ernst-Lohmeyer-Platz 3 - Raum E.18


Den Spruch „Hinter jedem starken Mann steckt eine starke Frau“ kennt jeder von uns. Egal, ob diesen Spruch Pablo Picasso, Winston Churchill oder Udo Lindenberg sagte, gilt dies auch umgekehrt und zwar - „Hinter jeder starken Frau steckt ein starker Mann“.

Und genau das wird unser Kernthema in diesem Seminar sein: Die Frauen und ihr Handeln in politisch angespannten Zeiten.

Sei es der stille Protest von Vera Cáslavská bei den Olympischen Spielen in Mexiko im Jahr 1968. Sei es das politische demokratische Engagement von Milada Horáková in der Zeit des Februarumsturzes im Jahr 1948 oder sei es der Brief in dem Frantiska Plamínková im Jahr 1937 Adolf Hitler widersprochen und kritisiert hat.

Wir werden uns mit bedeutsamen Ereignissen (z.B. mit der Samtenen Revolution, dem Prager Frühling oder der Neuen Welle im tschechoslowakischen Film) in der tschechoslowakischen und tschechischen Geschichte beschäftigen, die (nicht nur, aber vor allem) mit mutigen und in gewisser Weise besonderen Frauen zusammenhängen und die für die Tschechische - früher für die Tschechoslowakische Republik - wichtig waren, bzw. immer noch sind. Natürlich vergessen wir aber dabei die Männer nicht, die hinter den Frauen standen und sie unterstützt haben.

Im Rahmen des Seminars wird zu jedem Thema Filmmaterial zur Verfügung gestellt, das den Studierenden das Wissen über die Zeit und die Ereignisse vermittelt und somit eine Ergänzung und Erweiterung der vorhandenen Kenntnisse ermöglicht. 

Das Seminar ist für alle Studierenden offen, die Interesse an der tschechischen Kultur haben und Tschechien als Land kennenlernen wollen. Sprachliche Vorkenntnisse sind nicht notwendig.

 

Leistungsnachweis:

M.A. Sprachliche Vielfalt
Modul Slaw-4/5: Landes- und Kulturstudien: mdl. Einzelprüfung 20min

Optionale Studien 
M13: Slawische Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft / Landes- und Kulturstudien (Dauer: 2 Semester):
Prüfungsleistung: 30minütige mündliche Prüfung (benotet) zu zwei der drei Lehrveranstaltungen
Studienleistung: 15minütiges Referat (unbenotet) in der Lehrveranstaltung, die nicht Teil der mündlichen Prüfung ist.
Modul 15/16: Kulturen Ostmittel- und Osteuropas I/II: Hausarbeit 15-20 Seiten

Beachten Sie bitte, dass aufgrund der Änderung der BA-Ordnung ab dem WS 2026/27 noch nicht alle neuen PSO im System verfügbar sind. Fragen zu den Leistungsnachweisen beantworten die jeweiligen Dozierenden.

Deutsch als Fremdsprache/ Deutsch als Zweitsprache PSO 2019
Modul 2: Landes- und Kulturstudien - Osteuropa: mdl. Prüfung 20min

Lektüre: Literatur und Geschlecht – Medien, Kultur, Gesellschaft

Volkening, Heide, Prof. Dr. phil.

WiSe 2026/2027

Mi. 14-16 Uhr | Rubenowstraße 3 - Seminarraum 1.18

Das Seminar beschäftigt sich mit klassischen und viel besprochenen Positionen der Gender Studies und Kulturwissenschaft, die sich bei der Auseinandersetzung mit Literatur für das Verhältnis von Ästhetik, Medien, Politik und Kultur interessieren. Im Fokus jeder Sitzung steht die intensive Lektüre eines ausgewählten Textes etwa von Theodor W. Adorno, Sarah Ahmed, Roland Barthes, Walter Benjamin, Anna Bers, Silvia Bovenschen, Hélène Cixous, Jacques Derrida, Angela McRobbie, Legacy Russell, Virginia Woolf u.a. Wiederkehrende Fragen, die uns bei der Lektüre beschäftigen werden sind: Welche Rolle spielt Geschlecht beim Schreiben und Lesen von Literatur? Wie wird Geschlecht in literarischen Texten modelliert? Welche kritischen und utopischen Möglichkeiten bieten verschiedene literarische Genres? Welche kulturellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen prägen Literatur oder stehen ihr gegenüber? Wie verhält sich literarische Wertung zu Konzepten wie Hoch-, Populär- und Massenkultur oder Kulturindustrie und was hat das mit Geschlecht zu tun? Wie wird literarisches Schreiben durch mediale Bedingungen erweitert oder begrenzt? 

Seminar: Körperlichkeit und Sexualität im Islam

Suleiman, Farid, Dr.

WiSe 2026/2027

Do. 12-14 Uhr |  Am Rubenowplatz 2-3 - Seminarraum 106 

Das Seminar bietet einen Überblick darüber, wie Sexualität und Körperlichkeit in der islamischen Offenbarung in der Tradition und in mordernen genderrelevaten Diskursen verhandelt werden. Die Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats wird vorausgesetzt.

Basismodul RW II "Grundlagen der Religionswissenschaft" (MT, P) [3 (+ 2/3) LP];
Basismodul RW II "Religionswissenschaft" (LA Gym);
Wahlmodul im Grundstudium (MT, WP) [3 (+ 2/3) LP];

Literatur und Seminarplan werden in der ersten Sitzung bekannt gegeben.

Seminar: Einführung in die Gender Studies

Horn, Katrin, Prof. Dr. phil.

WiSe 2026/2027

Fr. 08-10 Uhr | Ernst-Lohmeyer-Platz 3 - Raum 1.28

Dieser Kurs richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen und führt in die interdisziplinäre Relevanz und Anwendung der Gender Studies ein. Er vermittelt dabei einen Überblick über die Entwicklung der Gender Studies und bietet schlaglichtartig –mit einem Fokus auf literatur-, kultur-, medienwissenschaftlichen Betrachtungen sowie auf der Verzahnung von Geschlecht und Wissen(schaft) – Einblicke in zentrale Themen, Texte und Theorien.

Studierende erarbeiten sich in Lektüre und Diskussion Grundkenntnisse der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Genese, Normierung und Infragestellung von Gender als gesellschaftlich relevante Kategorie. Die erarbeiteten Fähigkeiten und Kenntnisse werden in der abschließenden Hausarbeit zu Anwendung gebracht, in der Studierende selbstständig Problemstellungen aus Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft aus Perspektive der Gender Studies analysieren und reflektieren.

Die Einführungwird in einem Blended Learning-Format gestaltet, welches Präsenzlehre und asynchrone Online-Selbstlernphasen verbindet.

Moodle:https://moodle.uni-greifswald.de/course/view.php?id=29433

Semianr: Mela Hartwig

Erwig-Haselbeck, Andrea, Dr.

WiSe 2026/2027

Fr. 10-12 | Rubenowstraße 3 - Seminarraum 1.05

Die Texte der österreichischen Autorin Mela Hartwig (1893-1967) verhandeln Geschlechterbeziehungen, weibliche Sexualität, das Verhältnis von Institution, Macht und Psyche sowie das Arbeitsleben der „Neuen Frau”. Sie zeigen, wie der weibliche Körper entwertet und zum Instrument von Herrschaft wird und üben Widerstand. Dabei schließen Mela Hartwigs Texte an zeitgenössische literarische Strömungen – wie den Expressionismus oder die Neue Sachlichkeit – an, wenden diese aber neu oder durchkreuzen sie mit Verfahrensweisen des Fin de siècle und dessen Orientierung an der Psychoanalyse. 

Trotz ihres zeitgenössischen Erfolgs geriet die Autorin weitgehend in Vergessenheit. Ihre Veröffentlichungsversuche wurden ab den 1930er Jahren abgelehnt und schließlich verboten, nationalsozialistische Verfolgung und Emigration beendeten ihre Karriere. 

Im Moment wird Mela Hartwig auch wissenschaftlich wiederentdeckt. In diesem Rahmen möchte sich das auch das Seminar ihren Texten genau und behutsam annähern. Wir lesen gemeinsam die Novellen aus ihrem frühen Band Ekstasen (1928), ihre Romane Das Weib ist ein Nichts (1929) und Bin ich ein überflüssiger Mensch? (postum 2001) sowie Auszüge aus Inferno (postum 2018) und Der verlorene Traum (postum 2025). 

Das Seminar ist für Studierende der Gender Studies geöffnet. 

Vorausgesetzt wird die Lust am genauen Lesen, gemeinsamen Denken und Diskutieren.