Lehrveranstaltungen des IZfG
Studierende der Bachelor of Arts 2-Fach-Studiengänge können die Lehrveranstaltungen des IZfG als Basisfach "Gender Studies" (Optionale Studien ab WS 2019/20) belegen.
Das Basismodul "Gender Studies I" wird nur im Wintersemester angeboten; verpflichtend muss die Einführungsveranstaltung belegt werden, das zweite Seminar ist frei wählbar.
Das Aufbaumodul "Gender Studies II" findet im Sommersemester statt, dazu wird die Ringvorlesung mit Tutorium und ein weiteres Seminar belegt.
Abweichende Belegungen sind in der Regel möglich, aber im Vorfeld mit den jeweiligen Dozierenden abzusprechen.
Lehre im Sommersersemester 2026
Für das Basismodul "Gender Studies II" sind folgende Veranstaltungen zur Belegung geöffnet:
- Ringvorlesung Feministische Epistemologien. Wissen, Macht, Geschlecht (verpflichtend)
- Tutorium Feministische Epistemologien. Wissen, Macht, Geschlecht (verpflichtend)
- Textanalyse: Literatur und Liebe
- Die politische Repräsentation von Frauen
- Polnische Frauen im Film, in der Literatur und in der Geschichte
- Inszenierte Weiblichkeit. Dramatikerinnen um 1800
- Feminist Theory
- Revolution and Resistance: The Nineteenth Century in Philosophy and Literature
- Suppressed Knowledge: Testimony, Gossip, Confession
- Kleinepik des Mittelalters
Verpflichtend müssen die Ringvorlesung und das dazugehörige Tutorium belegt werden, das zweite Seminar ist frei wählbar.
Über den Kursbaum Vorlesungsverzeichnis > Philosophische Fakultät > Optionale Studien (ab WS 2019/20) > Basisfach > Gender Studies > Gender Studies II gehts direkt zur Einschreibung.
Alternativ finden Sie die Seminare im HIS über Suche nach Lehrveranstaltungen > Titel der Veranstaltung.
Groteske Körper
Prof. Dr. Heide Volkening
Während die deutsche Klassik den geschlossenen Körper, die idealisierte Marmorstatue als ideal der Schönheit zur Orientierung für alle Kunstschaffenden empfahl, setzten die Romantiker auf das Groteske, um der Literatur neue Impulse zu geben. Visuell-plastische Darstellungen nicht-harmonischer Körper gehören in der deutschsprachigen Literatur seither ebenso zum Repertoire des Grotesken wie literarische Imaginationen von Körpern, die kulturellen Vorstellungen von Schönheit (und Gesundheit) nicht entsprechen oder binäre Imaginationen von Geschlecht stören. Das Seminar folgt literarischen und visuellen Modellierungen grotesker Körper in großen Sprüngen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Neben E.T.A. Hoffmanns Prinzessin Bambrilla werden wir uns u.a. mit Franz Kafkas Bericht für eine Akademie und dessen intertextueller Adaption durch Paul Preciado in aktuellen trans*-Diskursen, sowie mit grotesken Körpern bei Elfriede Jelinek und Menstruations-lyrics im Popfeminismus beschäftigen.
Textanalyse: Literatur und Liebe
Prof. Dr. Heide Volkening
"Die Liebe entsteht wie aus dem Nichts", schreibt der Soziologe Niklas Luhmann über die moderne Idee der romantischen Liebe, und fügt dann ironisch hinzu: "… [sie] entsteht mit Hilfe von copierten Mustern, copierten Gefühlen, copierten Existenzen" (N. Luhmann, Liebe als Passion). Luhmann macht die Literatur und insbesondere die Romane des 18. Jahrhunderts verantwortlich für ein romantisches Liebesideal, dessen Spuren bis in die Gegenwart reicht. Mit dieser Vorstellung von Liebe etabliert sich auch ein neues Verständnis der Geschlechterdifferenz – mit der Idee sich ergänzender "Geschlechtscharaktere" wird die Verbindung von Mann und Frau als naturgewolltes Ideal imaginiert, das sich in der Ehe realisiert. Im Seminar werden wir Sophie La Roches Briefroman Geschichte des Fräuleins von Sternheim (1772), Liebeslyrik der Romantik und Klassik sowie Heinrich v. Kleists Tragödie Penthesilea lesen. Wir werden dabei a) die Grundkenntnisse der Textanalyse vertiefen, b) divergierende literarische Modellierungen (scheiternder) Liebes- und Geschlechterverhältnisse um 1800 kennenlernen und c) Verbindungen von Literatur und Literaturtheorie mit Blick auf das Thema Liebe diskutieren.
Die politische Repräsentation von Frauen
Lena Stephan
Auch wenn Frauen in der Politik zunehmend präsent sind und ihre Zahlen sogar in politischen Führungsämtern wachsen, sind sie bis heute im Vergleich zu Männern nicht gleichberechtigt repräsentiert. Ihr Weg in die Politik, sowie ihr Arbeitsalltag im politischen Umfeld sind von männlich-dominierten Strukturen geprägt, die geschlechtsspezifische Hürden und Barrieren aufbauen. Dieses Seminar beschäftigt sich mit aktueller politikwissenschaftlicher Geschlechterforschung, indem es in unterschiedlichen Themenblöcken verschiedene Forschungsfelder vorstellt, die sich mit geschlechtsspezifischen Barrieren in der Politik beschäftigen.
Wir schauen uns dabei an, wieso Männer und Frauen unterschiedliche Level von politischer Ambition zeigen (1) wie der Start und der Verlauf von politischen Karrieren sich nach Geschlecht unterscheiden (2), wie die Arbeit im Parlament geschlechtsspezifisch erlebt wird (3) und inwiefern dies auch auf politische Führungspositionen (4) und den politischen Arbeitsalltag zutrifft (5).
Wir schauen uns Forschungsergebnisse an, die sich damit beschäftigen, ob Genderunterschiede bestimmten politischen Bereichen bestehen, welche theoretischen Erklärungen diese überzeugend behandeln und mit welcher Art und Weise, sich Wissenschaftler:innen mit den entsprechenden Fragestellungen auseinandersetzen.
Polnische Frauen im Film, in der Literatur und in der Geschichte
Dr. Marek Fialek
Das Seminar widmet sich der Darstellung, Rolle und Bedeutung polnischer Frauen in verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten. Anhand ausgewählter Beispiele aus Film, Literatur und Geschichte werden Frauenbilder, Selbstverständnisse und gesellschaftliche Rahmenbedingungen analysiert. Schwerpunkte: Frauenfiguren im polnischen Film (z. B. Werke von Agnieszka Holland, Malgorzata Szumowska u. a.), Schriftstellerinnen und weibliche Perspektiven in der polnischen Literatur, Frauen in der polnischen Geschichte: zwischen Tradition, Widerstand und gesellschaftlichem Wandel, Feministische und postfeministische Tendenzen in der polnischen Kultur, Vergleich aktueller Darstellungen mit historischen Rollenbildern. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Emanzipation, Identität, Erinnerung, Migration und Solidarität.
Inszenierte Weiblichkeit. Dramatikerinnen um 1800
Hannah Willcox
Trotz ihres beständigen Engagements als Schauspielerinnen, Kritikerinnen und Regisseurinnen um 1800 sind Autorinnen dramatischer Texte lange Zeit Randfiguren der Literaturgeschichte: Frauen schreiben nicht dramatisch, sie sind es höchstens.
Diesem Verhältnis von Gattung, Geschlecht und Geschichtsschreibung spüren wir im Seminar nach und untersuchen, wie die Texte selbst Weiblichkeit im Spannungsfeld sozialgeschichtlicher Entwicklungen, von Autorschaftskonzepten und sich wandelnden Geschlechterordnungen um 1800 inszenieren. Mit Blick auf Theaterpraxis und Gattungspoetik stehen Fragen nach Handlungsmacht, Gewalt- und Liebesdarstellungen, Bildung, Tugend und Erziehung sowie nach den ästhetischen Spielräumen weiblicher Figuren auf der Bühne im Zentrum. Ziel des Seminars ist eine textnahe, geschlechtergeschichtlich erweiterte und zugleich kanonkritische Auseinandersetzung mit weiblicher Dramatik um 1800.
Wir lesen Dramen u. a. von Charlotte von Stein, Elise Müller, Sophie Albrecht und Wilhelmine von Gersdorf.
Feminist Theory
Visiting Professor Karen Adkins
“Do you refuse to laugh at offensive jokes? Have you ever been accused of ruining a dinner by calling out a sexist or racism comment?” If so, Sara Ahmed writes, you are a feminist killjoy. This course is designed for you. While the course has theory in the title, its feminist focus means we will be thinking about problems and cases even as we are doing the conceptual work. We will start with by considering what it means to theorize feminism (what is theory? what is feminism?). While we will spend some times on the historical approaches to feminist theory (the use and abuse of ‘waves’), we will direct more of our attention to contemporary approaches and issues within feminist theory (misogyny, carceral feminism, intersectionality, gender identity and queer theory, postcolonialism, race, disability, testimony, masculinity, killjoy feminism). Reading will be a mix of articles and excerpts along with full texts.
Revolution and Resistance: The Nineteenth Century in Philosophy and Literature
Visiting Professor Karen Adkins
This course uses the nineteenth century’s conflicts over justice as an entry point into our contemporary conversations and conflicts about justice. People fought about everything in the nineteenth century: political power, political identity and agency, economic resources and agency, art, science, religion, just to get us started. Our collective exploration of the “what” and the “why” of some of these revolutions will help us to examine the ways in which our current conflicts have been formed and framed by these nineteenth-century battles. We will use a case study approach, focusing on political power and agency (the three Atlantic Revolutions against January 6), labor conflicts and economic upheaval (worker uprisings and the communal movement against the gig economy), and representation and history (“Lost Cause” mythology and historical erasure against contemporary debates about history and monuments). We will be reading and/or viewing primary texts and artifacts for both halves of each case study.
Suppressed Knowledge: Testimony, Gossip, Confession
Visiting Professor Karen Adkins
Who gets to be seen as knowledgeable, and by what means and standards? While contemporary analytic philosophy takes a propositional focus, asking under what conditions a knowing subject S can know proposition p, the actual history of knowledge use and theory is more complex. In this course, we will focus on the gaps between the theory and the history. We will think about the challenges of second-hand testimony, both theoretical (Gettier problem, Miranda Fricker, C.A. Coady) and historical (witchcraft trials, Jim Crow lynchings). The problem of informal knowledge like gossip and rumor will also get our theoretical attention (Bertolotti & Magnani, Max Gluckman, Lorraine Code, Patricia Turner) as well as historical (Robert Darnton, #ShittyMedia Men). Next we will consider the ways in which first-person confessions are problematized (Augustine, Ludwig Wittgenstein, Adrienne Rich, memoirs). We will conclude by thinking about how, paradoxically, claims of ignorance can be epistemically powerful (José Medina).
Kleinepik des Mittelalters
Dr. Falk Quenstedt
Das Seminar widmet sich der sogenannten Kleinepik des Mittelalters, also kürzeren erzählenden Textformen wie Exempel, Legende, Fabel, Märe und frühen Formen der Novelle. Im Unterschied zu großepischen Formaten zeichnen sich diese Texte durch formale Verdichtung, narrative Experimentierfreude und ein besonderes Interesse für die Zuspitzung von sozialen, ethischen oder religiösen Konflikten aus, wobei häufig Geschlechterverhältnisse virulent werden.
Wir lesen neben mittelhochdeutschen Texten, etwa von Konrad von Würzburg, auch ausgewählte altfranzösische lais (Marie de France), italienische novelle (Giovanni Boccaccio) und jiddische maises in Übersetzung, um gattungsspezifische Gemeinsamkeiten und Unterschiede im europäischen und transkulturellen Vergleich sichtbar zu machen. Ein zentraler analytischer Zugriff orientiert sich an Überlegungen von Simon Gaunt, der die enge Verschränkung von gender und genre herausgearbeitet hat. Ausgehend von der Annahme, dass literarische Gattungen nicht neutral sind, sondern geschlechtlich codierte Ordnungen hervorbringen, untersuchen wir im Seminar, wie kleinepische Formen spezifische Modelle von Geschlecht entwerfen, stabilisieren oder auch irritieren. Die Primärtexte werden über Moodle zur Verfügung gestellt. Auf regelmäßige Anwesenheit wird Wert gelegt.