Lehrveranstaltungen des IZfG

Studierende der Bachelor of Arts 2-Fach-Studiengänge können die Lehrveranstaltungen des IZfG wie folgt belegen:

  • Als Basisfach "Gender Studies" (Optionale Studien ab WS 2019/20):
    Das Basismodul "Gender Studies I" wird nur im Wintersemester angeboten. Das Aufbaumodul "Gender Studies II" findet im Sommersemester statt.
    Zugangsvoraussetzung für das Aufbaumodul ist das Bestehen des Basismoduls.
  • Über das Modul "Einführung in die Gender Studies" (General Studies ab WS 2012/13): Hier ist eine Belegung nur im Wintersemester möglich.
    Das Aufbaumodul im Sommersemester kann nicht als General Studies-Kurs belegt werden.

Abweichende Belegungen sind in der Regel möglich, aber im Vorfeld mit den jeweiligen Dozierenden abzusprechen.


Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2020/21

Proseminar: Was ist Geschlecht? Einführung in Theoriegeschichte und aktuelle Analysekontexte der Gender Studies

Im Zentrum der Gender Studies steht die wissenschafts- und herrschaftskritische Auseinandersetzung mit der soziokulturellen Verfasstheit und Bedeutung der Kategorie Geschlecht. Die Gender Studies betonen dabei die Prozesshaftigkeit und Unabgeschlossenheit von Geschlechterdifferenzierungen, das so genannte Doing Gender. In dem Seminar werden klassische und neuere Gendertheorien gemeinsam erarbeitet und auf aktuelle Phänomene und Problematiken, die mit der Verhandlung von Geschlecht in Verbindung stehen, bezogen. Zudem soll die Einbindung der Kategorie Geschlecht in intersektionale Kontexte betrachtet werden, etwa an ihren Überschneidungspunkten mit den Kategorien Rasse und Klasse. Ziel des Seminars ist es, einerseits zu verstehen, wie Gender in hegemoniale Verhältnisse eingebunden und an ihrer andauernden Re_Produktion beteiligt ist. Andererseits soll aufgezeigt werden, welche ‚Spielräume‘ die Kategorie Geschlecht bietet, wodurch sich deren performativer Charakter offenbart.

Zeit: freitags, 10 - 12 Uhr
Lehrperson:  Dustin Matthes M.A.

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Proseminar: Sex, Liebe und Macht. Eine Einführung in die Geschlechtergeschichte

Das Reden über Sexualität ist um 1900 weit verbreitet. Besonders zentral und kontrovers ist dabei die Diskussion über weibliche Sexualität. Unter Rückgriff auf neueste naturwissenschaftliche Forschungen versucht Paul Julius Möbius in seiner Schrift Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes nachzuweisen, dass der „Schwachsinn des Weibes” nicht nur vorhanden, sondern auch notwendig sei, um den von der Natur bestimmten „Mutterberuf” des Weibes nicht zu gefährden. In dem ebenfalls viel beachteten antifeministischen Werk Geschlecht und Charakter, welches durchaus mit einer Kritik an dichotomen Konstruktionen von Geschlecht einsetzt und diverse sexuelle Zwischenformen benennt, lotet Otto Weininger Weiblichkeit schließlich vor allem anhand der Pole Mutterschaft und Prostitution aus.

Scharfe Repliken von Feministinnen wie Hedwig Dohm, Rosa Mayreder, Johanna Elberskirchen oder Maxie Freimann folgten auf diese und andere Schriften. Unter den Schlagwörtern ›Sittlichkeitsfrage‹ und ›Neue Ethik‹, die eng mit dem Namen Helene Stöcker verbunden sind, diskutierten Feminist*innen über Prostitution, die doppelte Sexualmoral, Verhütung, die Loslösung der weiblichen Sexualität von ihrer Fixierung auf Ehe und Fortpflanzung – und über neue Möglichkeiten einer gleichberechtigten Partnerschaft im Sinne der ›freien Liebe‹. In Berlin, einem der Zentren der Sexualwissenschaften des beginnenden des 20. Jahrhunderts, wird Homosexualität von Ärzten wie Magnus Hirschfeld erforscht und von pathologisierenden und stigmatisierenden Vorstellungen loszulösen versucht. Sein Buch Berlins Drittes Geschlecht und lesbische Zeitschriften wie Die Freundin werden uns Einblicke in das homosexuelle Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewähren.

Es geht also um ›sex‹, ›gender‹ und ›desire‹ - auch jenseits traditioneller Vorstellungen, Normierungen und Lebensweisen. Und es geht um Sexismus und Antifeminismus. Mit Michel Foucault wollen wir der „diskursiven Explosion” um den Sex herum im Feld von Philosophie, Literatur, Medizin, Psychologie, Sexualwissenschaft und Feminismus nachgehen und das neu produzierte Wissen über Sexualität in ein Verhältnis setzen zu Fragen der Macht und der identitätsstiftenden Funktion von Diskursen. Ist das Reden über den Sex schon ein Akt der Befreiung?

Zeit: montags, 10 - 12 Uhr
Lehrperson: Rebecca Kalisch M.A.

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