Geschlechterforschungskolloquium "Gender im Fokus"

Am 20. November 2020 findet das vom IZfG organisierte Geschlechterforschungskolloquium "Gender im Fokus" statt. Ziel des Kolloquiums ist es, aktuelle Arbeits- und Forschungsvorhaben an der Universität Greifswald, die Aspekte der Gender Studies beinhalten, vorzustellen und zu diskutieren. "Gender im Fokus" ist ein universitätsweites, interdisziplinäres Austauschforum, das Projekten im Bereich der Geschlechterforschung zu mehr Sichtbarkeit und Resonanz verhelfen soll.

Die Veranstaltung richtet sich an alle diejenigen, die im Rahmen ihrer Forschungs- oder Studienprojekte mit Methoden der Geschlechterforschung arbeiten. Zur Präsentation eingeladen sind sowohl Studierende mit ihren Abschlussarbeiten als auch Forschende aus allen Statusgruppen und Qualifikationsphasen an der Universität Greifswald. Es können sowohl neue Ideen und geplante Projekte als auch Zwischenergebnisse oder abgeschlossene Arbeiten vorgestellt werden.

Gender im Fokus findet dieses Jahr online statt. Den Zugang zum virtuellen Hörsaal des Krupp Kollegs finden Sie hier.


Zum Programm und den Abstracts der Vortragenden:

09.00 - 11.00 Uhr: Gender / Social Media - Praktiken - Strategien

Alice Cesbron: Digital heterofeminities: discursive construction of heterosexual women on Twitter in English and French

The goal of this research project is to observe how Anglophone and Francophone Twitter users reproduce, deconstruct and reconstruct current representations of heterosexual women through discourse in order to better understand the changes taking place nowadays within heterosexual norms.

To answer this question, I will study what kinds of female heterosexualities are being discursively constructed on Twitter and through which processes and digital practices. More specifically, I will examine how heterosexual women, their sexualities, femininities and positions in heterosexual relationships are represented. Secondly, I will analyse how these representations are positioned in relation to underlying ideologies about gender and sexuality, and power structures, and through which linguistic and extralinguistic processes these ideologies are manifested. On a contrastive level, this project will investigate the extent to which these discourses illustrate transnational discursive strategies, practices and representations, in particular.

The research will be based on a corpus of tweets collected via TAGS, which will be analysed qualitatively and quantitatively. I am currently working on the methodology that will be used to build the for corpus collecting the relevant discourses. Given the vast amount of data available on Twitter, it is important to determine how heterosexual femininities can be observed in a way that is relevant and specific to Twitter and social media, in general. Although I was initially interested in thematic data collection surrounding the phrases such as ‘my husband’ or ‘my boyfriend’, I am currently looking more specifically at the online phenomenon, ‘are the straights ok?’ which consists of members of the LGBTQ+ community mocking heterosexual people by sharing anecdotes or other social media posts about them. The results of this investigation may lead to a redefinition of my research questions, which may involve, for example broadening them to look at heterosexuality in general instead of focusing specifically on women, as well as reflecting on power structures through an LGBTQ+ lens.

Anne Hertel: (#)mansplaining - Ein Erklärungsversuch

Das Promotionsprojekt „(#)mansplaining - Ein Erklärungsversuch“ soll den Versuch einer wissenschaftlichen Annäherung darstellen, sich einem Phänomen der Gegenwarts- bzw. Alltagskultur zuzuwenden. Der Hashtag tritt vermehrt auf den Plattformen Twitter und Instagram in Erscheinung und kommt der Funktion eines Kommentars resp. einer Kategorisierung beschriebener Vorgänge oder Erlebnisse nach (Instagram: 38,3k (08.10.2020)). „Men explain things to me, and other women, whether or not they know what they're talking about.“ So definiert Rebecca Solnit in ihrem 2008 erschienen Essay die Grundzüge des Mansplainings. Diese Definition wird um den Zusatz ergänzt, das Männer Frauen etwas erklären, dass diese bereits wissen. In Grundzügen soll das Projekt folgende W-Fragen klären: Wer, was, wie und wann. Wer ist bzw. gilt als ein Mansplainer? Was ist Mansplaining? Wie funktioniert Mansplaining? Und zu letzt die Frage, seit wann und in welcher Form tritt dieses Phänomen auf? Hierfür erscheint ein interdisziplinärer Ansatz unumgänglich zu sein. So soll unter Zuhilfenahme der Linguistik die Frage beantwortet werden, welche semantischen Aspekte für dieses Lemma konstitutiv sind. Durch die Auswertung der Ergebnisse einer qualitativen Korpusanalyse konnte bereits verdeutlicht werden, dass das Lemma ‚Mansplaining‘ zwar sprachlich ein modernes Phänomen beschreibt, allerdings, so die Arbeitshypothese, kein Phänomen dieses Jahrzehnts ist. Bezugnehmend auf den Sprachwandel und das Zeichenmodell von Morris ist anhand des Lemmas ‚Mansplaining‘ ein semantischer und pragmatischer Wandel nachzuvollziehen. Das Ziel der linguistischen Untersuchung ist analog zu der äußeren Ebene des „Zwiebelmodells“ der sprachlichen Ebenen, welches Nübling anführt, zu verstehen, welches die außersprachliche Wirklichkeit mit Kultur, Sprachkontakt, Sprachpolitik und Gesellschaft umfasst. Es sollen die verschiedenen Ebenen des sprachlichen Zeichens im Zusammenhang untersucht werden, um die Realisierung in der außersprachlichen Wirklichkeit zu verstehen. Eine weitere Frage, die innerhalb der linguistischen Perspektive aufkommt, ist die, ob Mansplaining als fälschlicherweise eingeleitete Reparatursequenz verstanden werden kann. Nach Schegloff/Jefferson/Sacks Kategorisierung wäre es möglich, Mansplaining als fremd-initiierte Fremdreparatur zu verstehen. Die linguistische Rahmung steht in enger Verbindung mit dem philosophischen Aspekt des Projekts, welcher die Mechanismen untersuchen soll und somit die Wie- und die Was-Frage beinhaltet. Um sich den Mechanismen zu nähern, soll das Mansplaining als einseitig unterstelltes „credibility deficit“ verstanden werden, welches in einer asymmetrisch hierarchischen Struktur resultiert. Im Zusammenhang damit wird die These aufgestellt, dass das Verhalten eines Mansplainers eine Reaktion auf das in der sozialen Identität verankerte Verhalten ist, jedoch keine bewusste Entscheidung darstellt. Nachdem mithilfe der Philosophie und Linguistik die Grundzüge des Phänomens geklärt werden sollen, ist der nachfolgende Teil dem historischen Verständnis des Konzepts gewidmet. Die bereits erwähnte These, dass es sich nicht um ein modernes Phänomen handelt, soll hier zum einen in der Auseinandersetzung mit Karin Hausen und ihrer Beschäftigung mit dem Geschlechtscharakter gestützt werden. Ein weiteres Element stellt das Zeitzeugnis von Mary Wollstonecraft „A Vindication of the Rights of Women“ dar. Ausgehend von der Dilettantismusdebatte um Goethe und Schiller soll mittels Briefwechseln und Motiven, wie etwa dem der Kinderfrau oder der literarischen Ironie, gezeigt werden, dass dieses Konzept ein historisch tradiertes ist. Durch die begriffliche Konkretisierung und das vermehrte Nutzen des Hashtags in den sozialen Medien stellt es den Versuchs dar, tradierte Muster aufzubrechen. Anhand dieser interdisziplinären Trias soll die These bekräftigt werden, dass es sich beim Mansplaining sowohl auf männlicher als auch auf weiblicher Seite um doing gender handelt. Dies soll nach der Auswertung und auf Grundlage der Ergebnisse kritisch diskutiert werden.

Dustin Matthes: Glitch Feminism. Eine produktive Störung?

Legacy Russelll prägte bereits 2013 den Begriff des „Glitch Feminism“. 2020 ist jetzt ihr erstes Buch, das denselben Titel trägt, erschienen. Dieses Manifest soll zum Anlass genommen werden, um mit den Teilnehmer_innen des Kolloquiums über Russells Ansatz eines von blackness und queerness geprägten Cyberfeminismus zu diskutieren. In Glitch Feminism nutzt sie den glitch – den digitalen Fehler – zur Beschreibung von Momenten, in denen Personen die Anerkennung als Mensch verweigert wird (etwa bei der digitalen Gesichtserkennung). Gleichzeitig sieht sie den glitch auch als Element einer emanzipatorischen Praxis, um sich eben solchen gouvernementalen Festlegungen auf bestimmte, akzeptierte performances zu entziehen oder wie Russell schreibt: „We will embody the ecstatic an catastrophic error“ mit dem Ziel „[to make] this gendered engine screech to a halt. [...] We will be persistent in our failure to perform in pursuit of a future that does not want us“. In ihrer Argumentation knüpft sie an Theoretiker_innen wie Judith Butler, bell hooks, Jack Halberstam oder Donna Haraway an und greift immer wieder künstlerische Beispiele für den glitch auf, wie etwa Lil Miquela oder Zach Blas' Facial Weaponization Suite.

In der Diskussion mit den Teilnehmer_innen des Kolloquiums würde ich gerne der Frage nachgehen, welche Rolle das Digitale in Russells Text einnimmt und ob es eine neue Qualität in feministische und Gender Studies-Diskussionen einbringt oder anders gefragt: Wie revolutionär ist ihr emphatisches Manifest tatsächlich?

Zum Einstieg in die Diskussion werde ich einen kurzen Impulsvortrag halten, um einen Überblick über das Werk zu geben, aus dem wir einen kleinen Ausschnitt diskutieren werden, den ich im Voraus zur Verfügung stellen werde, sowie in die Vorgeschichte des Begriffs des Glitch Feminism und seine Verortung im Cyberfeminismus einführen werde.

11.30 - 13.30 Uhr: Gender / Literatur - Inszenierungen - Konstruktionen

Andrea Werner: Autor*innenfotos als visuelle Kommentare zum Literaturbetrieb

„Ich würd[e] mir manchmal wünschen“, bemerkt die Bestsellerautorin Melanie Raabe 2018 auf der Frankfurter Buchmesse, „niemand wüsste, von wem mein Buch ist – wüsste nicht, wie ich aussehe; wüsste nicht, dass ich eine Frau bin; wüsste nicht, dass ich eine schwarze Frau bin – und würd[e] einfach einen Text lesen“. Der Wunsch nach einem un-verstellten, vorurteilsfreien Blick sowohl der Leserinnen und Leser als auch der Literaturkritik korrespondiert durchaus mit Raabes in Frankfurt promoteten Psychothriller „Der Schatten“ (2018), denn die Autorin spricht in ihrem Buch die Machtverhältnisse im Kulturbetrieb an. Wie populär dieses Thema zum Zeitpunkt der Veröffentlichung sein wird, ahnt sie beim Schreiben des Textes jedoch nicht. 2018 steht die Frankfurter Buchmesse ganz im Zeichen der Online-Proteste #MeToo und #MeTwo, die in Deutschland Debatten über Sexismus und Rassismus auslösen. Verschiedene Veranstaltungen nehmen das Machtgefälle zwischen Männern und Frauen im Literaturbetrieb in den Blick. Zudem werden erste Ergebnisse des Forschungsprojekts #frauenzählen auf der Buchmesse vorgestellt. Anhand konkreter Zahlen bestätigt die Pilotstudie zur „Sichtbarkeit von Frauen in Rezensionen und Literaturkritiken“ einen längst angenommenen Befund: Die Buchbranche ist noch im 21. Jahrhundert eine Domäne der Männer.

In meinem Beitrag möchte ich auf die Korrelation zwischen Bildnispolitikund Geschlechterfragen eingehen, denn der „Literaturbetrieb ist ein visuelles Regime“, wie Marc Reichwein im Feuilleton der Welt bemerkt, „das ganz auf die Präsenz von Personen setzt: vom Autorenfoto auf dem Buchumschlag bis zum Interview auf dem ‚Blauen Sofa‘, vom Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis bis zum Instagram-Account“. Auch die Originalität der Selbstinszenierung in den sozialen Medien sichert mithin den Erfolg der Autor*innen, die zudem über Selfies den eigenen Blick auf den Literaturbetrieb verbreiten können. Exemplarisch soll gezeigt werden, wie Autorinnen und Autoren das eigene Foto als Kommentar zum Literaturbetrieb nutzen und sich in aktuelle Debatten einbringen. Damit erfährt das Selfie nicht nur über die Aufgaben des herkömmlichen Autor*innenfotos hinaus eine zusätzliche Funktionalisierung, sondern bestätigt zudem den Stellenwert von Bildern als zentrales Kommunikationsmittel.

Ulrike Wolter: Framing Thomas Meinecke. Selbst- und Fremdinszenierung als feministischer Autor

Obwohl Thomas Meinecke sich bereits seit der Veröffentlichung seines Romans Tomboy als feministischer Autor bezeichnet, wirbt der Suhrkamp-Verlag erstmals im Klappentext von „Selbst“ explizit mit dem Autor als Anhänger weiblichen Schreibens. Der Vortrag nimmt dies zum Anlass der écriture féminine im Sinne Hélène Cixous' im Roman „Selbst“ nachzuspüren. Dabei wird vor allem das Textmaterial, welches Meinecke in seinem Roman neben- und gegeneinander stellt, sowie dessen Verortung im feministischen Diskurs in den Fokus genommen. Zum anderen wird der Vortrag darstellen, was Thomas Meinecke selbst zu diesem Framing als feministischem Autor und Anhänger weiblichen Schreibens beiträgt, wenn er bspw. in Interviews über sein Schreiben und seine Methode des Sampelns spricht. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Resonanz nicht nur die Schreibpraxis, sondern auch die Selbstdarstellung des Autors in der Literaturkritik erfährt, wozu Rezensionen in den  Feuilletons größerer deutschsprachiger Zeitungen, aber auch jene im Internet veröffentlichten die Grundlage bilden. Anhand dieses Materials, das eine möglichst breite Leserschaft repräsentieren soll, werden Frames bzw. Schemata identifiziert, die in besonderer Weise dazu dienen, das Wissen sowohl um die écriture féminine, als auch um Feminismus und Gender Studies zu ermitteln und so der Darstellung Thomas Meineckes als ihrem wichtigsten Vertreter in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nachzugehen.

Hannah Willcox: (K)ein festgeschriebenes я - Queeres Erzählen und postmigrantische Identitäten in Sasha Marianna Salzmanns Außer Sich (2017)

„Ich dagegen fühle mich unfähig, verbindliche Aussagen zu treffen, eine Perspektive einzunehmen, eine Stimme zu entwickeln, die nur die meine wäre und für mich sprechen würde. Ein festgeschriebenes я“, gibt die Erzähler*infigur Ali*Anton in Sascha Marianna Salzmanns 2017 erschienenen Debütroman Außer Sich in Hinblick auf ihre*seine Selbstnarration zu.

я – das russische ,Ich‘ entspricht dem Laut /ja/, was dem deutschen [ja] phonetisch gleicht. Es scheint wie eine Affirmation des konstanten oder festgeschriebenen Ichs. Ein ,Ich' ist aber ebenso gebunden an den Kontext seiner Äußerung, es ist nicht loszulösen von dem*der Sprecher*in. Und so wie „ja“ eine zustimmende Antwort auf eine Entscheidungsfrage sein kann, kann es in anderen Kontexten nachgestellt auch Ausdruck leisen Zweifels sein, der Bestätigung fordert.

Ich möchte in meinem Beitrag diesen Zweifel untersuchen und Ali*Antons Unfähigkeit beleuchten, dem russischen я Gewissheit in den Aussagen über sich selbst zu erteilen, über eine queere, Trans-Figur einer postmigrant condition. Dabei soll ein Fokus auf die Strategien der Identifikation, Nicht-Identifikation und Desidentifikation gelegt werden, die der Text für seine Hauptfiguren, das Zwillingspaar Anton und Ali, vorschlägt, um darzulegen, wie sich Ideen von nationaler, ethnischer, geschlechtlicher und sprachlicher Zugehörigkeit bei Salzmann verkomplizieren. Denn kein festgeschriebenes Ich zu entwerfen, bedeutet für den Roman, binäre Kategorien wie Wahrheit und Lüge, die ein zuverlässiges Erzählen garantierten, auszusetzten und eine Position der Ungewissheit einzunehmen, die außerhalb zuverlässigen Erzählens und stätigen Identitäten liegt. Gerne würde ich zur Diskussion stellen, inwiefern Außer Sich Sein, in Anlehnung an Judith Butlers Ek-Statisch Sein, damit zur literarischen Taktik und narrativen Strategie postmigrantischer und queerer Identitätskonstruktionen werden kann, um möglicherweise eine Antwort auf leise und laute Zweifel zu geben.

14.30 - 16.30 Uhr: Gender / Ökonomien – Bilder - Antifeminismen

Henriette Dahan: Roots of deprivation of care economy

Women are breaking glass ceilings in economy and politics. They populate the labour market as equal to men and increasingly become independent breadwinners. However gender wage gaps still dominate the labour market, they are still bounded to “...the precarious and informal work, unresolved care burdens, limited access to resources, gender based violence, exacerbated impacts of poverty and, along an ascending scale between modernist secular and traditionalist religious regimes, patriarchy in the family” (Frances Raday, 2019).

In this discussion I suggest that the economic structure permits gender discrimination that is rooted in two ethical deficient presumptions: Surplus value and “fundamental distinction of economy from ethics” (Robbins 1935, p. 135). Surplus value is assumed to be equal to the rate of exploitation (Marx, Karl [1867] 2019) without which there will be no profit; and economy is assumed to be “in principle independent of any particular ethical position” (Friedman 1953, in Dotan Leshem, 2016.) As altruism and empathy are still associated with women traits, the burden of care (family caretakers, child rearing, elder caring etc.) is still held in their responsibility. Care economy makes 30-50% of the GDP (Miranda, 2011 Hasson & Dagan-Buzaglo 2019) but is the lowest paid labour and it is calculated separately from national economic models and policy making frameworks.

In this respect women’s labour is still rooted in un-ethical principles of surplus value and excluded from economic consideration, just like in ancient Oikonomia when exploitation of slaves and women labour where legitimate. In modern world this is simply a blunt violation of women’s citizen rights (Sa’ar 2016). These arguments will be discussed and illustrated within the context of care economy in Israel.

Anna Novikov: "Populisticized" Sexes. The New Nationalist Visualization of Gender in Eurasia.

In my paper I focus on the cultural and political dynamics of the male and female right-wing visual-clothing perception in East-Central Europe (Hungary, Poland, Ukraine and Russia) and beside it (Central Asia). In the last decade, due to the development of right-wing populist media and the socio-political changes, one can observe a massive transnational revival of patriotic ideological attire, which often turns into fashion. This attire is used in each country for the promotion and visualization of the groups’ political ideology in order to demonstrate loyalty, but also the opposition to the governments’ policy. This sartorial demonstration of groups’ political belonging is highly gendered, when both male and the female representatives by their special attire visualize the group ideology, division of their roles and their different functions within the group hierarchy.

Thus, my paper will trace how the gendered right-wing patriotic attire reflects and demonstrates the gendered ideology of various East-Central European population groups. Then, in certain cases the male and female are visualized and dressed in similar way and wear similar symbols and in other cases their dress/visual representation points on a clear ideological differentiation of their gender roles. My paper will focus on these dynamics of the right-wing attire within a context of their patriotic left-wing perception.

For instance, I will analyze the relatively similar gender roles within the common “Vyshivanka” right-wing and left-wing fashion, which developed and became strongly popular in Ukraine and outside it after the Euromaidan versus the totally different roles given to the male and the female within the Hungarian patriotic right wing attire. I will compare between the patriotic warrior-like media self-representation of the Central-Asian women versus domestic and sexualized (self)-representation of the Polish women. At the same time I will also analyze the gendered sartorial meaning of the recent “Black Monday” events in Poland, with their roots in the protest “Black Fashion” phenomenon in the nineteenth century Warsaw, during the “People’s Mourning” period. I will focus on the roots and the meaning of various colors and symbols, which are present in the various patriotic attire pieces.

Finally, my paper will relate to the visual negotiation of history, political situation and an idealized imagined male/female reality, “broadcasted” by various populist right-wing dress elements and symbols. In the most of the twentieth century, traditional historical and cultural study focused on the research of clothing as a part of material culture or iconography. In the last years this tendency changed into the direction of interdisciplinary analysis. Therefore, my paper uses clothing and performance as tools of analysis of certain gender, cultural and political history angles which otherwise are hard to discover.

Rebecca Kalisch, Magdalena Pflock: „Feindliche Schwestern“. Antifeministische Argumentationsweisen um 1900 und heute

Als „weibliche Anti- und Halbfeministinnen“ bezeichnet Hedwig Dohm in ihrer 1902 erschienenen Schrift Die Antifeministen die „Feinde, die sich inzwischen im eigenen Lager erhoben hatten“. Sie macht damit deutlich, dass die feministischen Bestrebungen nicht nur auf Seiten der Männer zu heftigen Gegenreaktionen führten. Ein Viertel der Mitglieder des Bundes zur Bekämpfung der Frauenemanzipation, der sich dem Motto „Wahre Männlichkeit für den Mann, wahre Weiblichkeit für die Frau“ verschrieb und aus den Reihen des „Alldeutschen Verbandes“ hervorgegangen war, waren Frauen.

Um 1900 vielgelesene antifeministische Texte wie Otto Weiningers Geschlecht und Charakter oder Paul Julius Möbius‘ Der physiologische Schwachsinn des Weibes erfuhren daher nicht nur scharfe Repliken seitens der Feminist*innen, sondern auch große Anerkennung unter einigen Frauen. In ihrer Streitschrift Krank am Weibe, in welcher die Männer dazu aufgerufen werden, sich dem „Protest einer Frau gegen die Entartung ihres eigenen Geschlechtes“ anzuschließen, bezieht sich Käthe Sturmfels argumentativ explizit auf Otto Weininger. Und schon über die Wahl des Titels demonstriert Katinka von Rosen mit ihrer Schrift Der moralische Schwachsinn des Weibes ihre Anerkennung für die Schrift von Paul Julius Möbius. Sie fordert aus „religiösen, sittlichen und nationalen Gründen“ dazu auf, den „Feinde(n) im eigenen Land mutig den Krieg zu erklären“.

Dass Frauen sich nicht immer einig sein müssen und Kontroversen zum Projekt des Feminismus gehören, entspricht durchaus dem Verständnis vieler Feminist*innen um 1900, die für Individualität und gegen Vorstellungen eines unveränderlichen Wesens der Frau ankämpften. Der explizite und aktive Antifeminismus der weiblichen Emanzipationsgegnerinnen irritierte allerdings zutiefst. Diese Kämpfe spiegeln sich auch heute in der digitalen Öffentlichkeit wider: So lassen sich sowohl feministische und antifeministische Äußerungen auf den sozialen Medien beobachten. Besonders auf Twitter entwickeln sich rund um Hashtags Dynamiken, die gesellschaftliche Strukturen diskutieren.

Der Vortrag will in historisch vergleichender Perspektive verschiedene Argumentationsweisen weiblicher Antifeminist*innen analysieren und nach deren Motivation fragen. Wo endet (notwendige) Kritik am Feminismus – und wo beginnt der Hass auf das eigene Geschlecht? Wie ist Solidarität überhaupt möglich?


Rückblick auf die vergangenen Kolloquien

Gender im Fokus 2019

Gender im Fokus 2018

Gender im Fokus 2017

Gender im Fokus 2016

Gender im Fokus 2015

Gender im Fokus 2014